Die zehnsaitige Gitarre und die 'Yepes Stimmung'




Die moderne 10-saitige Gitarre wie Michael Seubert sie spielt, wurde in den frühen 1960er Jahren von dem international erfolgreichen Gitarrenvirtuosen Narcisco Yepes und dem spanischen Gitarrenbauer Jose Ramirez III entwickelt. Sie wurde 1964 bei einem Konzert gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern erstmals einer Öffentlichkeit präsentiert und begeisterte das Publikum mit ihrer enormen Klangfülle.
Narciso Yepes' einzigartige Idee war dabei, durch vier zusätzliche mitschwingende Saiten allen Tönen auf den regulären sechs Saiten eine ausgewogeneren Obertonreihe und damit eine gleichbleibende Klangfarbe zu geben. Diese zusätzlichen Saiten haben die Stimmung C2, Bb2, G#2, F#2.

Yepes sagte: In the first place, the four supplementary strings give it a balanced sound which the six-string guitar is far from having. (Zuallererst geben diese Saiten dem Instrument ein ausgewogenes Klanggbild, wovon die 6-saitige Gitarre weit entfernt ist, es zu besitzen.)
Zudem lassen diese mitschwingenden Saiten einen Hallraum entstehen, der der Wirkungsweise des Pedals beim Klavier gleichkommt und welchen der Gitarrist nach Bedarf einsetzen kann. Diese erweiterten klanglichen Möglichkeiten gegenüber der 6-saitigen Gitarre geben dem Interpreten neue Ausdrucksmittel an die Hand. Zugleich stellen die damit notwendig gewordenen Abdämpftechniken eine ganz besonderen Herausforderung an die Spieltechnik des Interpreten dar, die an dieser Stelle umfassend weiterentwickelt werden muss.
Yepes' innovative Konzeption der Gitarre hat dazu geführt, dass heute weltweit Gitarrenbauer mehrsaitige Gitarren auf allerhöchstem Niveau bauen und durch neue Ideen weiterentwickeln. Zudem haben seither viele zeitgenössische Komponisten wie Maurice Ohana oder Bruno Maderna für die 10-saitige Gitarre Werke verfasst.



Die Bezeichnung Decacorde geht ursprünglichauf den französischen Hofmusiker Louis-Gabriel Besson zurück. Ein Experte für dieses Instrument war der italienische Gitarrist und Komponist Ferdinando Carulli. Im frühen 19.Jahrhundert entwickelte er zusammen mit Rene Lacote eine Harfengitarre mit zehn Saiten, die sie Decacorde (französisch:zehnsaitig) nannten. Die Saiten hatten die Stimmungen C-D-E-F-G-A-d-g-b-e' (von der 10. zur 1. Saite), mit den oberen fünf Saiten A-d-g-b-e über dem Griffbrett und den tiefen Saiten C-D-E-F-G freischwingend. Um 1820 entwickelte sich dieses Instrument durch den Gitarrenbauer Johann Georg Stauffer weiter und fand seinen Interpreten in dem bedeutenden Gitarristen und Komponisten Johann Kaspar Mertz (1806-1856). Die Saiten erhielten die Stimmung A-B-C-D-E-A-d-g-b-e.
Ein fundamental anderes Verständnis der 10-saitigen Gitarre stellt heute im Gegensatz zur Yepes Stimmung der Gebrauch des Instruments mit diatonisch abwärts gestimmten Basssaiten D - C - H - A, D - C - B - A oder D - Cis - H - A dar. Diese Basssaiten erweitern den Tonumfang des Instruments und ermöglichen das Spielen von originalen Basstönen der Lautenliteratur aus Renaissance und Barock.


Gesprächskonzerte

Michael Seubert stellt in Gesprächskonzerten seine 10-saitige Gitarre des Gitarrenbaumeisters Masaru Kohno (Japan 1982) vor, die er in der sogenannten Yepes-Stimmung spielt. Er spricht über sein persönliches Verhältnis zu diesem besonderen Instrument und wie er dazu kam, eine fast schon vergessene Instrumentenbau-Innovation aufleben zu lassen. Er demonstriert anhand von Klangbeispielen die Wirkunsgweise der vier zusätzlichen Basssaiten, erklärt die pysikalischen Gegebenheiten und spielt zahlreiche Werke des klassischen Repertoires, darunter berühmte Werke von Alonso Mudarra, Johann Sebastian Bach, Francisco Tarrega, Issac Albeniz, Heitor Villa-Lobos und Manuel de Falla. Dabei spürt er kompositorische und klangästhetische Räume auf und macht sie durch den Einsatz der Resonannzsaiten hörbar.
So werden Klang- und Klangerleben zu einem Weg hin zu kompositorischen Strukturen von klassischer und zeitgenössischer Musik.
Er spielt daher auch moderne Werke von Friedhelm Döhl oder Earl Brown, deren Kompositionen die erweiterten kompositorischen Möglichkeiten der 10-saitige Gitarre auf beeindruckende Weise darstellen. Zudem präsentiert Michael Seubert eigene Kompositionen und Improvisationen, die im Dialog mit dem Instrument entstanden sind.
Ein informatives und zugleich unterhaltsames Konzertprogramm einschliesslich einiger Anekdoten zum historischen Streit zwischen Andres Segovia und Narciso Yepes über den Sinn der 10-saitige Gitarre.

Biografie

Michael Seubert

Michael Seubert studierte an Musikhochschule Hannover klassische Gitarre und beschäftigte sich intensiv mit Komposition. Neben dem klassischen Repertoire aus 5 Jahrhunderten Gitarrenmusik interessiert er sich für moderne Klänge sowie für Improvisierte Musik. Unter dem Pseudonym ARMOL zelebriert er minimalistische, meditative Klanglandschaften im Geiste der neo classical music. Als künstlerischer Leiter von musikwege e.V. realisiert er Ensemble-Projekte mit zeitgenössischer Musik und in Storytelling vertont er Lyrik während er rezitiert. Zudem leitet er die Gitarrenschule Hannover, wo er regelmässig Workshops zu Themen mit zeitgenössischer Musik veranstaltet. Durch seine Lehrtätigkeit und die regelmässige Verpflichtung als Juror bei 'Jugend Musiziert' hat er stets einen guten Kontakt zu Kindern und Jugendlichen, die sich der klassischen Gitarre verschrieben haben. Mit seinem Projekt 'Decacorde- Die Kunst der 10-saitigen Gitarre' stellt er ganz sein Instrument in den Mittelpunkt: Eine 10-saitige Gitarre des weltberühmten Gitarrenbaumeisters Masaru Kohno (Japan 1982).

Video


Termine


11.12.2018 Bad Pyrmont, Musikschule, 19.30 Uhr

10.02.2019 Neue Musikschule/Gitarrenschule Hannover Grabbestr 5a , 30165 Hannover , 16.00 Uhr
17.02.2019 Kulturgut Poggenhagen (in Kooperation mit den Musikschulen Wunstorf und Neustadt), Gut Harms 5, 31535 Neustadt , 16.00 Uhr
10.03.2019 Musik und Kunstschule der Stadt Garbsen, Ort: Kulturzentrum Kalle, An der Feuerwache 3, 30823 Garbsen, 17.00 Uhr
17.03.2019 Musikschule Göttingen 'Musi-Kuss' , Reinhäuser Landstrasse, 37083 Göttingen 16.00 Uhr
26.05.2019 Mendelsohn Musikschule Einbeck, Ostertor 1, 37574 Einbeck, 16.00 Uhr

Förderung / Sponsoring




Mit der Unterstützung dieses Projektes fördern Sie die Vermittlung von zeitgenössischer Musik und neuen Hörerfahrungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Schulen, Musikschulen, soziokulturellen Zentren und anderen Bildungseinrichtungen. Unser Ziel ist die Vermittlung von Kultur und Musik auch an Menschen aus bildungsferneren Schichten. Daher möchten wir den Zugang zu den Veranstaltungen möglichst niederschwellig halten.
Bitte sprechen Sie uns an. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen über eine geeignete Darstellung ihres Unternehmens oder Ihrer Person innerhalb des Projekts zu sprechen.

Zudem fördert der Verein musikwege e.V. dieses Projekt. Mit einer Spende mit dem Vermerk 'Decacorde' können Sie uns unterstützen. musikwege e.V. ist als gemeinnützig anerkannt und kann für Ihre Spende eine Zuwendungsbescheinigung ausstellen. Damit ist Ihre Spende steuerlich absetzbar.
Weitere Informationen zum Verein: www.musikwege.de

Konto:
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BIC: GENO DEF1 SLR

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Michael Seubert
tel 01578-7811660
mail@michael-seubert.de


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